IV,20,31
Aber wie man auch die Taten der Menschen selbst beurteilen mag, so führte der Herr doch durch diese Taten gleichermaßen sein Werk aus, indem er das blutige Zepter schamloser Könige zerbrach und manch unerträgliche Herrschaft stürzte. Das sollen die Fürsten hören – und darob erschrecken!
Wir aber sollen uns unterdessen nachdrücklichst hüten, diese Autorität der Obrigkeit, die mit verehrungswürdiger Majestät erfüllt ist und die Gott durch die ernstesten Gebote bekräftigt hat, zu verachten oder zu schänden – selbst wenn sie bei ganz unwürdigen Menschen liegt und bei solchen, die sie durch ihre Bosheit, soviel an ihnen ist, mit Schmutz bewerfen! Denn wenn auch die Züchtigung einer zügellosen Herrschaft Gottes Rache ist, so sollen wir deshalb doch nicht gleich meinen, solche göttliche Rache sei uns aufgetragen – denn wir haben keine andere Weisung, als zu gehorchen und zu leiden.
Dabei rede ich aber stets von amtlosen Leuten. Anders steht nun die Sache, wo Volksbehörden eingesetzt sind, um die Willkür der Könige zu mäßigen; von dieser Art waren z.B. vorzeiten die „Ephoren“, die den lakedämonischen Königen, oder die Volkstribunen, die den römischen Konsuln, oder auch die „Demarchen“, die dem Senat der Athener gegenübergestellt waren; diese Gewalt besitzen, wie die Dinge heute liegen, vielleicht auch die drei Stände in den einzelnen Königreichen, wenn sie ihre wichtigsten Versammlungen halten. Wo das also so ist, da verbiete ich diesen Männern nicht etwa, der wilden Ungebundenheit der Könige pflichtgemäß entgegenzutreten, nein, ich behaupte geradezu: wenn sie Königen, die maßlos wüten und das niedrige Volk quälen, durch die Finger sehen, so ist solch ihr absichtliches übersehen immerhin nicht frei von schändlicher Treulosigkeit; denn sie verraten ja in schnödem Betrug die Freiheit des Volkes, zu deren Hütern sie, wie sie wohl wissen, durch Gottes Anordnung eingesetzt sind!
IV,20,32
Aber bei diesem Gehorsam, der, wie wir festgestellt haben, den Weisungen der Oberen zukommt, ist stets eine Ausnahme zu machen, ja, es ist vor allem anderen auf eines zu achten, nämlich daß er uns nicht von dem Gehorsam gegen den wegführt, dessen Willen billigerweise aller Könige Begehren untertan sein muß, dessen Ratschlüssen ihre Befehle weichen und vor dessen Majestät ihre Zepter niedergelegt werden müssen. Und wahrlich, was wäre das für eine Torheit, wenn man, um den Menschen Genüge zu tun, den zu beleidigen unternähme, um des willen man eben den Menschen gehorcht? Der Herr also ist der König der Könige, und wo er seinen heiligen Mund aufgetan hat, da muß er allein vor allen und über alle gehört werden; dann sind wir auch den Menschen unterstellt, die uns vorgesetzt sind, aber allein in ihm. Wenn sie etwas gegen ihn befehlen, so ist dem kein Raum zu gönnen und zählt es nicht. Und hier dürfen wir auch auf jene
ganze Würde, die die Obrigkeit besitzt, durchaus keine Rücksicht nehmen; denn dieser geschieht keinerlei Unrecht, wenn sie im Vergleich mit dieser einzigartigen und wahrhaftig höchsten Gewalt Gottes auf den ihr zustehenden Platz genötigt wird. In diesem Sinne behauptete Daniel, er habe sich, als er der Verordnung des Königs nicht gehorchte, in keiner Weise gegen den König vergangen (Dan. 6,23). Denn der König war über seine Grenzen hinausgegangen und hatte nicht nur den Menschen Unrecht getan, sondern gar die Hörner gegen Gott erhoben und sich dadurch selbst seiner Gewalt entsetzt. Auf der anderen Seite werden die Israeliten verdammt, weil sie gegenüber einem gottlosen Gebot des Königs gar zu folgsam gewesen waren (Hos. 5,13). Denn als Jerobeam goldene Kälber gegossen hatte, da hatte das Volk den Tempel Gottes verlassen und war dem König zuliebe auf neue abergläubische Dinge verfallen (1. Kön. 12,30). Mit der gleichen Leichtfertigkeit hatten sich auch die Nachfahren nach den Meinungen ihrer Könige gedreht, und der Prophet macht es ihnen mit Strenge zum Vorwurf, daß sie die Verordnungen des Königs befolgt hätten (Hos. 5,11). So wenig kommt es in Frage, daß der Vorwand der Bescheidenheit etwa Lob verdiente, mit dem sich die Hofschmeichler bedecken und kraft dessen sie schlichte Leute täuschen, indem sie behaupten, es sei ihnen nicht erlaubt, etwas abzulehnen, was ihnen von ihren Königen aufgetragen wäre. Als ob Gott, indem er sterblichen Menschen die Führung des Menschengeschlechts übertrug, zu ihren Gunsten auf sein Recht verzichtet hätte! Oder als ob die irdische Gewalt eine Beeinträchtigung erführe, wenn sie ihrem Geber unterstellt wird, vor dessen Angesicht auch die himmlischen Fürstentümer demütig erschrecken! Ich weiß, was für eine große und unmittelbare Gefahr dieser Beständigkeit droht. Denn die Könige lassen sich nur unter höchster Entrüstung geringschätzen – und „des Königs Grimm ist ein Bote des Todes“, sagt Salomo (Spr. 16,14)! Aber da der himmlische Herold, Petrus, das Gebot kundgemacht hat: „Man muß Gott mehr gehorchen als den Menschen“ (Apg. 5,29), so wollen wir uns mit der Erwägung trösten, daß wir jenen Gehorsam, den der Herr verlangt, dann leisten, wenn wir lieber alles Erdenkliche leiden als von der Frömmigkeit weichen. Und damit uns der Mut nicht ins Wanken gerät, so setzt uns Paulus noch einen anderen Sporn in die Seite, indem er uns ermahnt: Christus hat uns dazu um jenen hohen Preis erkauft, den unsere Erlösung ihn zu stehen kam, daß wir uns nicht an die bösen Begierden der Menschen verknechten, um ihnen untertan zu sein, und uns noch viel weniger der Gottlosigkeit unterwerfen (1. Kor. 7,23).
Ehre sei Gott!

Hallo Bruder,
danke für ein wertvolles Jahr mit Johannes Calvin, das du mit deinem Blog und den dazugehörigen mails möglich gemacht hast. Es segne dich dafür der Vater unseres Herr Jesus.
Sei gegrüßt in IHM
Markus